Dienstag, 20. Dezember 2011

Weihnachten

Hallo zusammen,

     zum nahenden Weihnachten möchte ich nicht versäumen, Euch und Ihnen allen ein gesegnetes und fröhliches Fest zu wünschen.
     Wie das Ereignis vom 11. März plastisch zum Ausdruck gebracht hat, ist unser Leben so vergänglich. Aber mitten in solchen Ereignissen haben viele Menschen eine wahre Solidarität und Wärme der Mitmenschen erfahren, wozu Ihr / Sie auch viel beigetragen habt /haben.
     Zu Weihnachten erinnern wir uns auch daran, dass diese Solidarität uns von höchster Stelle gewährleistet ist, wenn Gott in unsere in vieler Hinsicht"katastrophale" Welt hineinkommt - freiwillig aus Liebe. Ja, Er trägt nicht nur die Leiden durch die Naturkatastrophe mit uns mit, sondern auch die durch unsere moralischen Fehler - von anderen oder von uns selber.
     Ich glaube, solche geistige Wirklichkeit, die die Solidarität entstehen lässt, ist nicht vergänglich.

     In diesem Sinne wünsche ich Euch /Ihnen nicht nur die materielle, leibliche Freude zum Fest, sondern auch die geistige. Denn es ist allmählich Zeit, dass unsere Welt vom materiellen Traum erwacht.

     Viele herzliche Grüße mit großer Dankbarkeit             Michael Daishiro Nakajima

Sonntag, 11. Dezember 2011

Ein Link

Gerade habe ich einen schönen Link erhalten, der über Israel und Berlin zu mir kam. Vielen Dank, lieber Peter, nach Berlin:

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=HMtMg1t9Kbc

Viele Grüße

Dienstag, 29. November 2011

Endspurt

Hallo zusammen,

     es ist Advent, und mehr als 8 Monate sind vergangen seit der Katastrophe von "Three Eleven". Man hört wenig von Japan, aber es ist ein langer Weg des Wiederaufbaus. Auch heute habe ich von meinem ehemaligen Klassenkameraden Tomokazu Mitsuhashi über die Miyako-Hilfe berichtet bekommen.  Er war schon zum 5. Mal in 750km entfernter Stadt Miyako und hat wieder beim Spendengüterverteilungsmarkt mitgeholfen, wobei er mit seinen 68 Jahren jedesmal nicht nur die anstrengenden Fahrten hin und zurück bewältigt, sondern einfach in der Kapelle schläft, wo es keine Waschanlagen und die Toiletten gibt. Er muss nachts bzw. morgen früh extra zur Toilette im Park vom Gegenüber gehen. Dass es nicht so bequem ist, habe ich damals selber erfahren. Jetzt müsste die Lage wegen der Kälte noch unbequemer sein. Jedesmal berichtet er minuziös über seine und seiner Begleiter Aktionen. Denn er muss sie vor seiner Gemeinde klar darstellen. Ich bekomme auch eine Kopie.
     Neuerdings arbeitet seine Kirchengemeinde zusammen mit einer anglikanischen Kirchengemeinde. So wird die Ökumene nicht an den Tischen diskutiert sondern an der Nächstenliebe praktiziert. Es war auch bestimmt eine himmlische Fügung, dass ich in Minamisoma einen evangelischen Kinderhort gefunden habe und ein Behindertenheim, wo die evangelische Christin Nobuko Kori die stellvertretende Heimleiterin ist.
     Tomokazu Mitsuhashi besichtigt auch die umliegenden Orte, die auch vom Tsunami stark betroffen waren, um nach den Bedürfnissen der Leute zu fragen. Er sagt, dass es immer noch Orte gibt, die sogar für seine an die Situation gewohnten Augen unfassbar aussehen, obwohl der Staat, die Prefekturen, Städte und die Einzelnen täglich kämpfen.
     Eine Bekannte aus Hamamatsu (280km westlich von Tokyo) berichtete mir, dass jede Woche 3mal ein Bus mit den Helfern/-innen nach Tohoku fährt. Jedes Mal ist er ganz voll, und wenn man mitfahren möchte, muss man sich vorher anmelden. Sonst hat man keine Chance.

     Mit dem Eindrittel der Spendengelder unterstützen wir weiterhin die Menschen in Minamisoma durch das Behindertenwerk "Peanuts", wo Frau Kori die Vermittlerin ist. (Wie schon mehrmals berichtet geht Eindrittel an die Kirchengemeinde Mobara, wo T. Mitsuhashi die Hilfsaktion durchführt, und Eindrittel zu Ryusuke Okano, dem Umweltaktivist, der Soma hilft. Die beiden sind Euch, den hiesigen Spendern/-innen sehr dankbar und bestellen viele liebe Grüße. ) Ich überweise jeden Monat etwa 1000 Euro. Unser Vorrat geht in zweieinhalb Monaten zu Ende. Ich weiß, dass man solche Hilfsaktion nicht auf ewig verlängern kann, zumal andere Bedürfnisse anlässlich der Hungerskatastrophen, Überschwemmungen, Erdbeben usw. auf dieser Erde da sind oder neu entstehen. Ich danke Euch und Ihnen allen sehr herzlich für die bisherige großherzige Unterstützung. Ich habe ganz existentiell erfahren dürfen, wie wichtig ein Vertrauensverhältnis ist. Und auch für dieses Vertrauen mir gegenüber danke ich Euch/Ihnen von ganzem Herzen. Ich werde die Spendenaktion wie geplant vor Weihnachten einmal beenden. Wenn Sie an die weitere (letzte) Hilfe denken, wäre ich natürlich sehr dankbar. Hier ist noch einmal die Kontoverbindung: Kath. Pfarramt, Kto.-Nr. 16250, BLZ 674 617 33, Stichwort "Japanhilfe".
     Das Pfarramtssekretärin Frau Schlander ist jetzt dabei, die Spendenbescheinigung anzufertigen. Wie schon berichtet, kann man die Kopie der Überweisung unter 200 Euro steuerlich geltend machen. Aber wenn jemand eine Bescheinigung haben möchte, bitte gebe er mir die folgenden Angaben per eMail an  nakajima@shinkirengo.de: die Summe der Spende, der Tag der Überweisung und die Anschrift, falls das noch nicht geschehen ist. Vielen Dank! Die Gesamtstatistik mit dem Spendengeld wird noch später in diesem Blog veröffentlicht.

     Ich wünsche Euch und Ihnen allen eine schöne segensreiche Adventszeit!          M. D. Nakajima

Montag, 24. Oktober 2011

Ökumenisches Vesper

Am Sonntag, 23. 10. 2011 gab es in der evangelischen Kirche in Rosenberg das alljährige ökumenische Vesper. Neben den Textlesungen, den Gebeten und der Predigt von Pfarrerin Schulze traten der Bläserchor, der Gospelchor, der Gesangverein und der Philippina-Chor auf. Die Kirche war fast voll besetzt. Am Ende gab es Spendensammlung für Japan, wobei insgesamt fast genau 500 Euro zusammengekommen sind. Wenn man an die Spendenbereitschaft für Japan in den vergangenen Monaten, für den Hunger in Afrika und für die Flutopfer in Südasien denkt, ist es eine großherzige Geste der Rosenberger/-innen und der Bürger/-innen in der Umgebung. Vielen herzlichen Dank!

 Kurz vor dem Beginn um 18 Uhr



Pfarrerin Schulze, ganz offen für die Ökumene

In Japan geht die Beseitigung und die Sortierung des Schrotts weiter. Eine Bekannte von Hamamatsu, 200km westlich von Tokyo, berichtet, dass jede Woche dreimal ein Bus mit den freiwilligen Helfern/-innen nach Tohoku fährt. Dabei ist es unmöglich einfach so mitzufahren. Der Andrang ist so groß, dass man sich vorher anmelden muss, um einen Sitzplatz zu bekommen. Eine große Hilfsbereitschaft. Auch mein ehemaliger Klassenkamerad Tomokazu Mitsuhashi kümmert sich unentwegt um die Opfer in Miyako weit im Norden. Ich habe Hochachtung für seine dauerhafte Leistung, zumal ich nach der Rückkehr aus Japan etwa 6 Wochen lang eine große Erschöpfung erlebt habe. 
Eine Mittelschule in Minamisoma, in der die Schüler/-innen lang in den eigenen Gebäuden nicht unterrichtet werden konnten, konnte vor einigen Wochen endlich zum eigenen Standort zurückkehren. Tsunami hat das Gebäude stark beschädigt und die Stärke der Radioaktivität musste genau beobachtet werden. Wir unterstützen auch diese Schule, Haranomachi Daiichi Chugakko.
Ich wünsche Euch allen Gottes Segen und eine schöne Zeit!

Mittwoch, 28. September 2011

Spende bis 200 Euro

Nun habe ich erfahren, dass bei der Spende bis zu 200 Euro eine Kopie des Kontoauszugs für das Finanzamt genügt, um den Steuernachlass zu erhalten. Wer mehr gespendet hat und die Spendenbescheinigung haben möchte, sollte sich bei mir melden mit der Adressenangabe. Die Mail-Adresse habe ich beim letzten Eintrag vermerkt. Vielen Dank.     Liebe Grüße      Michael Daishiro Nakajima

Dienstag, 27. September 2011

Spendenbescheinigung

Hallo Ihr liebe Spenderinnen und Spender für Tohoku/Japan,

     nun habe ich die Gesamt-Spenden-Bescheinigung von meinem ehemaligen Klassenkameraden, Tomokazu Mitsuhashi, erhalten, der für die Tohoku-Hilfe-Aktion in der Kirche Mobara zuständig ist und zu dessen Kirchenkonto unsere Spendengelder aus Deutschland überwiesen wurden. Daher können nun Frau Schlander und ich für die einzelnen Spendenbescheinigungen sorgen. Bitte sendet Eure Post-Adressen an meine eMail-Adresse: nakajima@shinkirengo.de     Vielen Dank!

Die Bestätigung des Spendeneingangs

    Grobe Auflistung der Verwendungsinhalte
 

Dienstag, 13. September 2011

Dankeschön aus der Isobe Grundschule in Soma

Heute hat mich eine Dankesmail aus Soma erreicht. Geschrieben hat sie der stellvertretende Direktor der Grundschule Isobe (bis zur 6. Klasse). Ich habe meiner Verwandten, die im Rathaus von Soma arbeitet, die Karten der Schüler/-innen von Herrn Glittenberg ins Japanische übersetzt zugesandt. Sie hat sie an die Grundschule Isobe gebracht, die durch Tsunami sehr beschädigt wurde. Im unteren Bild zeigen die Schüler/-innen von Isobe die erhaltenen Karten. Ich werde von der hiesigen Spende etwa 600 Euro an diese Schule überweisen.

Mittwoch, 31. August 2011

Sammelnachrichten aus Japan

Eins nach dem anderen werden die Flüchtlingslager in Tohoku aufgelöst. Viele Menschen können jedoch nicht nach Hause gehen. Die meisten beziehen die Behelfshäuser. Denn die Regierung geht nun klar davon aus, dass einige Gegenden um die Reaktoren vom Fukushima I  herum dauerhaft unbewohnbar sind. Prof. Kodama der Tokyo Universität, der bei der Ent-Kontaminierung an Ort und Stelle aktiv tätig ist, rechnete am Ende Juli heraus, dass die bei dieser Katastrophe bis dahin ausgeströmte Radioaktivität 20-fach der Hiroshima-Atombombe beträgt. Vor ein paar Tagen bestätigte die Regierung offiziell, dass die ausgeströmte Menge des Cäsiums 137 über 130-fach der Hiroshima-Atombombe ausmacht.

Trotz der großen Bemühung, die Ausströmung zu verhindern, gibt es immer wieder Rückschläge, weil in den Leitungen der Atomkraftwerke Leck entsteht, so dass die Arbeit für die Menschen sehr gefährlich wird. Auch der Versuch, die verschmolzenen Kernstäbe zu beseitigen, kann nicht in einigen Jahren unternommen werden. Beim Unfall des Kernkraftwerks von Three Mile Island /USA 1979 hat man dazu 6 Jahre gebraucht. In Fukushima ist die Lage viel schwieriger, so dass einige Experten mit über 10 Jahren rechnen.

Die Selbstverteidigungsarmee Japans hat ihren Einsatz heute (31. 08. 2011) beendet, außer in der Fukushima-Präfektur wegen der Entkontaminierung und der Hilfe fürs Bad, wofür etwa 500 bis 600 Man beteiligt sind.

Tepco hat einen konkreten Plan für die Entschädigung der Betroffenen veröffentlicht. Die Zahlung beginnt am 1. Oktober. Z.B. wird für eine von der Regierung aufgeforderte Hinaus-Fahrt innerhalb der Präfektur wird pro Mal ca. 50 Euro und für eine Übernachtung 80 Euro gerechnet.

Das Ausmaß der "Fûhyô Higai" (Schaden, der wegen der Bedenken entsteht, auch wenn eine reale Gefahr nicht vorhanden ist) wird immer größer. Zum Beispiel kamen nur halb so viele Badegäste in der Chiba-Prefektur östlich von Tokyo. Das bedeutet einen großen Einnahmeverlust für die betroffenen Badeorte.

Endlich konnten wir wieder einen Geigerzähler kaufen, den wir an das Behindertenwerk in Minamisoma zugeschickt haben. Hoffentlich verwechselt die deutsche Post den Luftweg und Seeweg nicht, wie das schon zweimal passiert ist. Beim Luftweg dauert es nur 4 Tage und beim Seeweg 8 Wochen!

Mein ehemaliger Klassenkamerad Tomokazu Mitsuhashi gibt sich weiterhin eine große Mühe, um den Menschen in Miyako zu unterstützen. Als Pfarrgemeinderats-Vorsitzender fordert er auch die Zuständigen des Kindergartens und der anglikanischen Pfarrgemeinde zur Mithilfe auf, was gerne angenommen wird. Er hält ständig Kontakte mit dem Hilfscenter in Miyako sowie dem Miyakos Stadtviertel "Yagisawa", wo viele Zuflucht gefunden haben. Er schreibt viele Briefe, Mails und Berichte. Neulich war er wieder selbst dort, um die Hilfsgüter zu transportieren. Er bedankt sich für die Spende aus Deutschland. Ich soll Euch auch herzlich grüßen. Ja, Eure Spende kommt sehr gut und sinnvoll an.

Die Situation insgesamt ist für die Betroffenen zum Alltag geworden, auch wenn er im niedrigsten Niveau verankert ist. Sie müssen und auch wollen ihn meistern und trotz der schwierigsten Bedingungen ihren Lebensstandard wieder erhöhen.

Das war es für heute.        Viele liebe Grüße        Michael Daishiro Nakajima


Sonntag, 7. August 2011

Messung der Radioaktivität

In Tohoku wird überall die Radioaktivität gemessen. Auch in Minamisoma finden täglich außer dem Wochenende die Messungen statt. Ein Großteil des Minamisoma sind "die Gebiete der Fluchtvorbereitung im Notfall", auch wenn sie außerhalb der 20km-Zone liegen. An den Kinderhorten oder Kindergärten wird die Radioaktivität in der Höhe von 1cm und 50cm über dem Boden gemessen. Man tastet auf diese Weise, ob der Betrieb aufrechterhalten oder neu wiedergeöffnet werden könnte. Wo die Radioaktivität hoch ist, versucht man die Ent-Kontaminierung. Dies geschieht z.B. durch den Einsatz der Hochdruckreiniger. Manchmal wird die Oberfläche der Erde entfernt und mit der nicht-kontaminierten Erde getauscht. Im Takahira-Kindergarten war die Höhe der Radioaktivität bei der Messung 1cm oberhalb des Bodens 0.72 Mikro-Sievert/Std. und 50cm oberhalb des Bodens 0.73 Mikro-Sievert/Std. Vergleichsweise hatten wir in unserem Haus in Rosenberg folgende Ergebnisse: in der Küche 0.18 MSV und im Garten 0.14  MSV. In unserem Haus in Kamakura, 60km südlich von Tokyo zeigte der Geigerzähler 0.18 MSV. Also ist die gegenwärtige Höhe in Minamisoma fast genau 4-fach. Wenn jemand die Messungsfotos sehen möchte, könnte er auf die folgende Webseite gehen:http://www.city.minamisoma.lg.jp/sinsai/2011-08/monitor.jsp

Übrigens ist unser Geigerzähler nach der nötigen Reparatur wieder in den Händen von Ryusuke Okano in Japan, der jetzt einmal pro Woche mittwochs nach Soma fährt. Hier in Deutschland ist der Geigerzähler leider ein Mangelware. Die nächsten Lieferungen sind für April 2012 vorgesehen. Wenn man hier nicht so ängstlich wäre und nicht auf die Geigerzähler gestürzt wäre, hätte ich mehr Geigerzähler für die Kinderhorte und -gärten oder das Behindertenwerk in Soma und Minamisoma gehabt. Dass die Geigerzähler in Japan selbst Mangelwaren sind, versteht sich von selbst.

Freitag, 29. Juli 2011

Dankeschön aus Minami-Soma und Soma

Von der Einrichtung für die Behinderten in Minami-Soma haben wir ein Dankeschön mit den 10 schönen Stoff-Lesezeichen erhalten, die sie selbst hergestellt haben. Normalerweise verkaufen sie die Lesezeichen. Diesmal haben sie sie uns als ein Dankeschön geschenkt. Ich werde sie einigen "Hochverdienten" verteilen.



Übrigens haben inzwischen die Stadt Soma, der Kinderhort in Minami-Soma und das Behindertenwerk in Minami-Soma, je 100,000 Yen von uns erhalten. Auch von der Stadt Soma und dem Kinderhort in Minami-Soma haben wir ein Dankschreiben und eine Quittung erhalten. Wie gesagt werde ich das Hauptgewicht meiner Hilfsaktion auf Minami-Soma legen, während Ryusuke Okano sich auf Soma und Tomokazu Mitsuhashi sich auf Miyako konzentrieren.


Die zweite Überweisung, die Frau Brigitte Schlander durchgeführt hat, betrug 12,800 Euro = 1.406.080 Yen und ist mittlerweile in Mobara angekommen. Vielen herzlichen Dank!

Mittwoch, 27. Juli 2011

Sammel-Nachrichten aus Japan, Mi. 27. 07. 2011

Nach Berichten von Yomiuri-Online (Zeitung) hat sich die Fukushima-Präfektur entschieden, alle Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren (betrifft etwa 360,000 Personen) lebenslang bezüglich der Jod-Werte der Schilddrüse per Ultraschall zu überprüfen. Auch diejenigen, die nach der Atomkatastrophe die Präfektur verlassen haben, werden untersucht. Nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl gab es - wie bekannt – eine erhebliche Zunahme an Schilddrüsen- Krebserkrankungen bei jungen Menschen.

In Fukushima hat man festgestellt, dass insgesamt 865 verseuchte Rinder von 43 Bauernhöfen in andere Präfekturen exportiert wurden. Sie hatten radioaktiv belastete Reishalme gefressen. Auch von weiteren 15 Höfen stehen 318 Rinder im Verdacht, kontaminiert zu sein. Dies lässt sich aber nicht eindeutig klären, weil dort kein Reisstroh mehr zur Untersuchung übrig ist. Reisstroh gilt als belastet, wenn es mehr als 300 Becquerel pro kg aufweist (Zerfall von mehr als 300 Atomen / kg pro Sekunde. Becquerel zeigt die Aktivität der Strahlung an). Das Fleisch der betroffenen Rinder wurde teils schon verzehrt, teils liegt es in Kühlhäusern. Die Bauern fordern Entschädigung. Tepco sowie der Staat planen es aufzukaufen und zu vernichten. Die Bauern fordern außerdem verständlicherweise Entschädigung wegen des starken Rückgangs des Fleischverkaufs.
Die notwendigen Geldsummen für die Beseitigung der Trümmer (600 km Küste), die Umsiedlung der Betroffenen, den Wiederaufbau, die Entschädigungen und den dauerhaften Kampf gegen die Strahlung steigen auf unvorstellbare Höhe. Ratingsagenturen stufen die Kreditwürdigkeit Japans auf das gleiche niedrige Niveau wie Griechenland.

Da der Strommangel herrscht, darf man die Klimaanlage erst ab 28 Grad Celcius aufwärts einschalten, so dass man auch bei der Arbeit im Gebäude unter der feuchten Hitze leidet - erst recht draußen bei über 30 Grad. Es ist fast makaber, dass man dem kühlenden Taifun dankbar ist.

Übrigens geht unsere Spendenaktion bis Weihnachten 2011. Dann hätte Japan das Gröbste gemeistert, obwohl es auch darüber hinaus enorme Geldsumme mit Sicherheit gebrauchen wird. Vielen herzlichen Dank noch einmal für viele ermunternde Worte und Aktionen, sowie für die bisherige und auch für die kommende Spende schon im Voraus!

     Mit lieben Grüßen          Michael Daishiro Nakajima

(Kto. des kath. Pfarramtes: Kt.-Nr. 16250, Volksbank Kirnau, BLZ 674 617 33, "Japanhilfe")

Sonntag, 24. Juli 2011

Berichterstattung mit den Bildern in Rosenberg

Am Mo. 25. 07. 2011 ab 19.30 Uhr berichte ich im Festsaal des Rosenberger Rathauses über meine Aktivitäten und die gegenwärtige Situation in Tohoku mit den Bildern. Fast alle Bilder wurden aber schon in diesem Blog veröffentlicht. Die Veranstaltung ist deswegen besonders für diejenigen gedacht, die keine Internet-Möglichkeit haben, obwohl auch diejenigen, die die Bilder bereits gesehen haben, selbstverständlich sehr willkommen sind.    Mit freundlichen Grüßen      M. D. Nakajima

Montag, 11. Juli 2011

Die gegenwärtige Lage in Tohoku

Es sind genau 4 Monate verstrichen seit der verheerenden Katastrophe im Nordosten Japans. In Deutschland hört man fast nichts mehr davon. Die Lage dort ist aber immer noch kritisch. Auf der einen Seite gibt  es positive Entwicklungen, wenn es um den Wiederaufbau geht, auch wenn dieser nur langsam vonstatten geht. Auf der anderen Seite spürt man die bedrohlichen Folgen der havarierten Atomreaktoren.

1) Wiederaufbau: eigentlich gibt es hier nur bezüglich der vorläufigen Fertighäuser Fortschritte. Bis jetzt haben mehr als 60 % der Flüchtlinge in solche Häuser einziehen können, in denen Elektroherd, Kühlschrank und Waschmaschine zur Verfügung gestellt wurden. Alles andere müssen die Leute selber anschaffen. Immerhin müssen die Opfer dann nicht mehr im Sammellager leben. Aber mit diesen Fertighäusern gab und gibt es manche Probleme. Erstens war es nicht einfach einen passenden Ort zu finden, um sie zu bauen. Zum Teil mussten schulische Sportanlagen geopfert werden. Manche Häuser mussten von der Ortschaft weit entfernt gebaut werden, so dass die soziale Anbindung an den Ort, wo die Menschen bis dahin gelebt haben, abgeschnitten wurde.
     Mit dem eigentlichen Wiederaufbau ist es noch nicht so weit. Ein Küstenstreifen in der Länge der Strecke Hamburg - Heidelberg etwa wurde vernichtet. Die Überreste der vernichteten Gebäude kann man unmöglich innerhalb von 4 Monaten beseitigen. Vom Wiederaufbau kann man vorläufig nur träumen. Es muss auch genau untersucht werden, wo überhaupt wieder gebaut werden darf. Es muss auch geklärt werden, wer wieviel Prozent der Kosten übernimmt: Staat, Präfekturen (Iwate, Miyagi, Fukushima, Ibaragi, Chiba) und Städte. Bis jetzt will der Staat 3/4 zahlen. Aber auch nur 1/4 ist für die Präfekturen eigentlich zu hoch, wenn man an die immensen Schäden denkt.

2) Radioaktivität: auf der einen Seite ist sie nach neuesten Messungen im großen Umkreis um das AKW Fukushima I leicht gesunken. Aber es entstanden sogenannte hotspots, wo die Radioaktivitätswerte sehr hoch sind, auch 200km vom AKW entfernt. Man redet auch nicht nur vom "melt down" der Kernstäbe sondern vom "melt through". Das heißt, dass das Kernmaterial nicht nur zusammen geschmolzen am Boden des Behälters liegt, sondern dass es den Boden des Behälters durchbrochen hat und in die Erde gelangt ist. Auch die enorme Menge des verseuchten Wassers konnte man bis jetzt nicht genügend reinigen, während ständig neues anfällt, weil die Reaktoren ununterbrochen mit Wasser gekühlt werden müssen.
     Auch Minamisoma, worauf ich meine Hilfsaktion konzentriere, leidet zunehmend, während es am Anfang hieß, dass die Radioaktivitätswerte trotz der großen Nähe zum AKW Fukushima I verhältnismäßig niedrig waren.
     In der gestrigen Nachricht habe ich gelesen, dass manche (die Alten, die Behinderten) die Umsiedlung nicht gut ertragen. Es gab schon mehrere Fälle von "Tod durch Vertreibung".

Man kann also noch nicht eine eindeutige positive Tendenz feststellen. Japan muss weiterhin kämpfen. Obwohl sehr viele Deutsche von der Niederlage ihrer Frauenfussball-Mannschaft gegen Japan betrübt wurden, was ich sehr gut verstehe, sollten sie sich etwas mit dem Gedanken trösten, dass der Sieg der "Nadeshiko" Mannschaft den verletzten Seelen von Tohoku nicht wenig zu Gute kommt. Die deutschen Fussballfrauen werden bald wieder aufstehen und wieder Erfolg haben, aber die über 20,000 Verwandten, FreundInnen und gute Bekannten der Menschen in Tohoku, die der Tsunami verschluckt hat, stehen nicht mehr auf!

Wir möchten unsre Unterstützung auch weiterhin fortsetzen, daher sei das Spendenkonto hier nochmals genannt: Volksbank Kirnau, BLZ 674 617 33, Konto des katholischen Pfarramts in Rosenberg, Kto.-Nr.
16250, Stichwort "Japanhilfe". Ich danke allen noch einmal sehr herzlich, die durch Spenden oder in irgendeiner anderen Form meine Aktion unterstützt haben und unterstützen werden.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Kollekte für Japan

Am So. 03. 07. 2011 fand wieder ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Sportfestes in Rosenberg statt. Die diesjährige Kollekte war für die Japanhilfe bestimmt. Obwohl viele TeilnehmerInnen schon großzügig gespendet hatten, kamen insgesamt 550 Euro zusammen. Herzlichen Dank für diese Spende. Wie immer wurde die Summe in das Konto des kath. Pfarramtes eingezahlt und wird bald zusammen mit anderen Spenden nach Japan überwiesen werden. 
Eigentlich sollte ich an diesem Tag wegen des Aikido-Seminars in München sein, aber am Samstag habe ich eine Magengrippe eingefangen, so dass ich zu Hause geblieben ist. Da es am Sonntag morgen einigermaßen gut ging, habe ich am Gottesdienst teilgenommen und konnte am Anfang dessen kurz über die Lage in Tohoku berichten. 

In diesem Zelt fand der Gottesdienst statt.


Freitag, 1. Juli 2011

Benefiz-Konzert

Es war ein großer Erfolg. Herr Prof. Kalman Irmai und die Familie Böhm haben einen wunderschönen Liederabend gestaltet, dessen Vielfalt wie schon im hier veröffentlichten Programm zu ersehen war. Es war eine Premiere, dass drei Profi-Sängerinnen und -Sänger der Familie Böhm öffentlich zusammen gesungen haben. Ihre Gesangskraft, Harmonie und gekonnte schauspielerische Einlagen kamen sehr gut beim Publikum an. Obwohl es nur 2 Abende vorher im gleichen Raum ein Konzert gab, das sehr gut besucht war, kamen genauso viele Zuhörer/-innen auch an diesem Sonntag, 26. 06. 2011, in den künstlerisch hochwertigen Ausstellungsraum von Frau Ute Ammermann, die ihn wie immer gerne zur Verfügung gestellt hat. Wir danken allen oben genannten Herrschaften für diesen schönen Abend und ihren großartigen Einsatz. Ein herzlicher Dank gilt auch Herrn Ekkehard Brand, Bürgermeister a. D. in Seckach, für seinen organisatorischen Einsatz, sowie Herrn Dr. Johann Cassar, dem Leiter des Kinderdorfs Klinge, für seine Medien-Assistenz. Am Ende des Konzerts habe ich nämlich unter Mithilfe von meiner Frau Susanne per Powerpoint über meine Hilfsaktion in Tohoku berichtet. Es kam eine stolze Einnahme von 765.- Euro für die Japanhilfe.


Von links: Prof. Kalman Irmai (Piano), Lisa Böhm (Sopran), Prof. Bernhard Jäger-Böhm (Bass-Bariton), Regine Böhm (Mezzosopran) zusammen mit M. D. Nakajima



Montag, 20. Juni 2011

Benefiz-Konzert

Hallo zusammen,


dies ist die Ankündigung eines Benefiz-Konzerts von den SpitzenmusikerInnen. Das Kinderdorf Klinge Seckach liegt etwa 8km westlich von Osterburken bzw. Adelsheim entfernt. Es feiert am 25.-26. Juni 2011 das 60-jährige Bestehen. Das Konzert findet im Haus von Frau Ammermann statt, das unterhalb von Klinge auf der unteren Seite der Straße L619 zwischen Seckach und Zimmern liegt. Das Konzert wird maßgeblich unterstützt von Herrn Ekkehard Brand, dem Bürgermeister a. D. von Seckach.


E i n l a d u n g

Benefizkonzert für Japan

Sonntag, den 26.06.2011, 18.00 Uhr

am Klingefest bei Ute Ammermann, Am Schallberg, 74743 Seckach

Mitwirkende:

Regine Boehm Mezzosopran

Lisa Boehm Sopran

Bernhard Jaeger-Boehm Bassbariton

Kalman Irmai Klavier

Programm

Lieder, Arien, Duette, und Terzette

u.a. von Mozart, Brahms, Dvorak, Nicolai


Daishiro Nakajima, geboren in Japan, viele Jahre Religionslehrer am

Ganztagesgymnasium Osterburken, war nach dem Unglück 1 1/2 Monate

helfend in Japan. Hierüber wird er berichten. Seine Ehefrau Susanne

unterrichtet seit vielen Jahren an der Musikschule Bauland.

Auch 3 Monate nach der Katastrophe in Japan ist ein Ende der Krise

nicht absehbar.

Mit dem Konzert wollen wir unsere SolidaritaÅNt mit den betroffenen

Menschen bekunden.

Freitag, 10. Juni 2011

Spendenstatistik

Hallo zusammen,


hier ist die vorläufige Statistik meiner Ausgaben. Ryusuke Okano und Tomokazu Mitsuhashi haben auch 890.737 Yen erhalten. Ihre Ausgaben werden später auch veröffentlicht. Der Restbetrag 470.861 Yen (ca. 4200 €) wird nach und nach an Ryusuke oder T. Mitsuhashi oder das Behindertenwerk von Minami-Soma je nach Bedarf überwiesen. Zum Teil wird er für den Kauf von Geigerzähler hier benötigt.











Einnahme (Yen)

Woher

Ausgabe (Yen)

Wofür

Total (Yen)

890.737

aus Deutschland

80.000

von Herrn Holdt

5.750

anonym nach Japan gesandt

976.487

10.000

an die Dame in Soma

39.000

Unterwäsche für die Damen in Yagisawa / Miyako

44.978

Säfte, Wasser, Kekse, Kosmetik-Artikel für Soma und Minami-Soma

6.652

Benzin (Minami-Soma-Fahrt hin)

17.072

Übernachtungen in Minami-Soma

50.000

an die Behinderten-Einrichtung in Minami- Soma

8.424

Benzin (Minami-Soma-Fahrt zurück)

10.000

T-Shirts für den weiteren Verkauf in Deutschland

10.000

Teil der Korrespondenz-Gebühren

9.500

Übernachtungen in Shiogama

100.000

Spende für die Waisen in Soma

200.000

Spende für die Behinderten-Einrichtung in Minami-Soma



505.626

Restbetrag

470.861












Donnerstag, 9. Juni 2011

Die Bilder von Shiogama und Shichigahama

Die Reihenfolge der Bilder ist eigentlich umgekehrt. Man sollte also von unten anfangen.

einfach skurill

Kommt ein oder anderer Besitzer noch?



Der sonst schöne Strand von Shichigahama

Container angeschwommen vom jenseits der schmalen Halbinsel hinten

die schwimmenden Autos

Die Kraft der Wellen

Die Kraft der Welle, das Schiff ist nicht immer da oben. Oberhalb dieses Bildes einschließlich sind die Bilder von Shichigahama

hier unten sind wir zur und von der Insel gefahren, eine unserer Mitarbeiterinnen

Auf dem Hügel wie immer

Der "Reiniger"

Eine Szene aus der Matsushima Bucht

Das schöne Meer mit dem Schrott im "Bauch"

Soldaten und wir, Zweiter von rechts Nobuyori Nagaoka mit dem Helm "Fujisawa Catholic Church

Schönheit und Zerstörung

Mutter und Tochter aus Belgien

Dienstag, 7. Juni 2011

Shiogama bei Sendai

Shiogama, Mo. 23.-Mi. 25. 05. 2011
Diesmal war ein anderer ehemaliger Klassenkamerad von mir, Akira Koto, bereit, sein Auto zur Verfügung zu stellen und auch mitzukommen. Er wohnt in Fujisawa, einer westlich gelegenen Nachbarstadt von Kamakura, wo er mich abholte. Zunächst fuhren wir zum Tokyo-Hauptbahnhof, um dort Tomokazu Mitsuhashi - auch mein ehemaliger Klassenkamerad – und einen jungen Studenten von der Kirche Mobara, der Stammkirche von T. Mitsuhashi, abzuholen. Von dort ging die Reise zuerst nach Sendai zur Kathedrale, in der das Support-Center der Diözese seinen Sitz hat. Diesmal habe ich ausnahmsweise diesen offiziellen Weg genommen, weil ich nach der Minami-Soma-Reise wenig Zeit hatte, um die nächste Reise zu planen. Daher hat T. Mitsuhashi die Initiative ergriffen und diese Möglichkeit gewählt. Von Sendai wurden wir in das lokale Support-Center in Shiogama – etwa 30km nordöstlich von Sendai – geschickt, das nur 3 Minuten zu Fuß von unserem Hotel entfernt war. Dort ist die Organisation schon gut strukturiert. Es werden verschiedene Gruppenleiter bestimmt, unter denen wir vier gearbeitet haben, und der Zeitplan ist festgelegt. Was  wir nicht wussten, ist, dass es seinerseits unter der „Sozial-Wohlfahrt-Konferenz“ (Shakyo) arbeitet, von der ich bis jetzt wenig Gutes gehört hatte. Das heißt nicht, dass die Organisation selbst schlecht ist, aber bei der diesmaligen Hilfsaktion für Tohoku hat sie keine gute Figur gemacht. Sie sind zwar vom Staat damit beauftragt worden, waren aber eher unerfahren.
Der Tag beginnt um 7.00 Uhr mit der Vorbereitung des Mittagessens. Eine ältere Ordensschwester und die eine oder andere Helferin bereiten schon den Reis, Seetang (Nori) zum Wickeln des Reises, Dosenfisch und andere Kleinigkeiten vor, damit jede/r sein eigenes Lunchpaket machen kann. Manchmal gibt es auch schon um 6.30 Uhr eine Messe, wenn ein Priester da ist. Die Teilnehmer/-innen sind aber keineswegs nur Christen. Einige Gruppenleiter waren z.B. nicht christlich. Um 7.30 gibt es dann Frühstück. Gegen 8.45 Uhr machten wir ein Gruppenfoto und wanderten anschließend eine Viertelstunde zum Hafen. Unser Ziel ist eine der Inseln in Matsushima-Bucht, wie Ihr sie auf der Titelseite dieses Blogs sehen könnt.

Nun habe ich all meine Ziele erreicht. Ich habe Ryusuke Okano und Tomokazu Mitsuhashi begleitet, an die je ein Drittel Eurer Spenden ging und noch geht. Ich habe ihre sehr gute und sinnvolle Arbeit gesehen. Ich war auch in Minami-Soma, der Stadt, die ich am meisten unterstützen wollte wegen ihres mehrfachen Leidens. Ich habe ferner schon am Anfang geschrieben, dass ich das Schicksal der schönen Inseln in der Matsushima-Bucht, die ich letztes Jahr besucht hatte, feststellen wollte.
Ich habe tatsächlich in fast allen Regionen der Katastrophe das Leiden der Menschen gesehen: im Norden (Miyako), in der Mitte (Shiogama) und im Süden (Soma, Minami-Soma). Es ist ein gutes Gefühl, wenn man den anvisierten Plan trotz einiger Schwierigkeiten aber auch mit glücklicher Fügung in etwa vollenden kann.
Die Bilder der Zerstörung der Küsten in der Länge von 500 km gleichen sich überall, auch wenn das Ausmaß verschieden ist. Wenn die Natur mit so viel Gewalt hereinbricht, sind wir Menschen machtlos. Helfen muss man überall. Und wenn die Not überall riesengroß ist, muss man zunächst überall gleichmäßig helfen, d.h., man kann nicht sagen, „wir helfen einem Ort konzentriert, um danach zu einem anderen Ort zu gehen“. Inzwischen sterben die Menschen in diesem anderen Ort. Wenn die äußerste Not aber gewendet wurde, und die Hilfsprogramme einigermaßen koordiniert werden, dann kann sich der eine auf einen Ort konzentrieren, während sich ein anderer um einen anderen Ort kümmert. Außerdem wollte ich Euch als Erstes das Gesamtbild der Katastrophe einigermaßen vermitteln, auch wenn ich nicht die Orte, die vom Tsunami am schlimmsten getroffen wurden wie Rikuzen Takata oder Minami Sanriku, besuchen konnte. Wenn ich das gemacht hätte, hätte ich nirgendwo konkret helfen können.

Kommen wir zurück zu Shiogama. Es ist eine wunderschöne Schiffsfahrt von etwa 40 Minuten. (Auch Soldaten sind mit dabei. Soviel Sympathie haben diese Soldaten wohl nie erlebt wie jetzt.) Im Meer gibt es aber viel Schrott, den das Schiff weitläufig umfahren muss. Es gibt einige Schiffe mit großen Kränen, mit denen man den Schrott sammelt. Die Fischer sollen heute noch in ihren Netzen ab und zu einen Leichnam fangen. „Das weiß getünchte Grab, das außen schön ansehnlich, innen aber voll Knochen, Schmutz und Verwesung“ ist das Meer geworden, auch wenn es nichts dafür kann, im Gegensatz zu jenen Pharisäern, die Jesus mit diesen Worten kritisierte (Vgl. Mt 23, 27).
Am ersten Tag haben wir einer Pension geholfen. Das Gebäude, das für die Pension verwendet wurde, liegt direkt am Meer. Aber es hat sich gehalten, und das Wohnhaus dahinter ist zwar äußerlich noch ganz, ist jedoch nicht mehr zu retten. Wir brachten die Möbel vom Wohnhaus zum Pensionsgebäude, damit die Familie dort wohnen kann. Somit hat sie aber die Grundlage für ihr Geschäft verloren. Die Inhaberin (ungefähr Mitte bis Ende 40) der Pension ist aber sehr sehr tapfer, macht viele Witze mit uns Helfern. Dabei wird ihr nicht einmal mehr erlaubt, ihr Haus am gleichen Ort wieder aufzubauen wegen der Tsunamigefahr. Auch ihr alter Vater kann momentan das Geschäft mit dem Angelboot nicht weiterführen. Als ich diese Geschichte später Ryusuke erzählte, sagte er, dass die Betroffenen oft sehr mutig sind, während diejenigen, die von weitem das Leid erfahren, und manchmal auch die Helfer/-innen selbst depressiv werden. Fürs Mittagessen am Meer hat sie für uns einige leckere Sachen gekocht und uns serviert. Das ist die wahre Stärke eines Menschen, die in solcher Notsituation zu Tage tritt.
Nachmittags haben wir in der Nachbarschaft die zerstörten Stützmauer mit der Schubkarre abgetragen. Da wir aber das Schiff um 14.30 Uhr nehmen mussten, konnten wir an diesem Tag mit dieser Arbeit nicht zu Ende kommen. Eigentlich gibt es um 15.30 Uhr noch ein Schiff, aber wir müssen der Shakyo folgen. Die Leute der hiesigen Shakyo sind auch selbst Betroffene. Sie müssen sich um eigene Schäden kümmern. Das ist leider nicht gut organisiert. Der Staat sollte m.E. reine Hilfstruppe von außen organisieren, damit sie sich voll der Hilfsaktion widmen können.
Nach der Rückkehr auf das Festland gibt es ca. 2 Stunden freie Zeit, um einzukaufen oder sich und die Gummistiefel zu reinigen. Um 18.00 Uhr gibt es Abendessen und ab 19.30 Uhr die Reflexion des Tages und die Selbstvorstellung der neu angekommenen Helfer/-innen. Wir haben festgestellt, dass es außer uns dreien noch weitere zwei Absolventen der Jesuitenschule gab. Wir wurden ja sinngemäß als „Men for others (Männer für die anderen)“ erzogen. 
Nach dieser Reflexion sind wir Vier ins Hotel zurückgekehrt und haben unsere eigene Rückschau gehalten, wobei auch etwas Sake (Reiswein) von der Tohoku-Gegend nicht fehlte. Für meine Kameraden (nicht der junge Mann, Nobuyori Nagaoka, der seinem Alter (22) entsprechend noch eifriger gearbeitet hat als wir) war diese Arbeit genau richtige Menge, denn sie führen ja als Rentner sonst kein körperlich anstrengendes Leben. Ich muss sagen, dass die beiden als Vorsitzende des Pfarrgemeinderats ihrer Kirchen eine vorbildliche Figur gemacht haben.
Für mich war die Arbeit aber etwas zu leicht diesmal. Hier stelle ich dankbar fest, welche Wirkung die regelmäßige Budo (Kampfkunst)-Übung auf einen hat. Tatsächlich waren alle meinen ehemaligen Klassenkameraden ziemlich erstaunt über meine Kondition und machten sich gleichzeitig ziemlich Sorgen um mich.
Am zweiten Tag haben wir auf einer anderen Insel Berge voller kaputter Dachziegel zur Wellenschutzmauer mit dem Schubkarre gekarrt. Hier ist der Boden etwa 30 cm gesunken, so dass der entstandene Graben gefüllt werden musste. Diesmal konnten wir zu sechst die Arbeit beenden. Die Leute waren natürlich sehr dankbar für unsere Hilfe. Die anderen drei haben mit etwa 10 anderen im und am Nachbarhaus gearbeitet. Das scheinen vielfältigere Aufräumarbeiten gewesen zu sein. In diesem Haus wohnt ein alter, kleiner, kerniger, sonnengebräunter, sympathischer Fischer ganz allein in einer kleinen Bucht. Sein Wohnbezirk wurde von einer doppelt zurückschlagenden Welle getroffen. Das heißt, der Tsunami kam aus Richtung des Festlandes zurück, stieß gegen das felsige bzw. gemauerte Ufer und kam zurück in Richtung seines Hauses. Trotzdem hat die Welle immer noch so viel Energie gehabt, dass sie einen Teil seines Hauses zerstörte. Immerhin hat die etwa 1.20 m hohe Mauer das Schlimmste verhindert. Er zeigte uns drei ganz gebliebene Fischkörbe im Meer, das voll mit Fugu-Fischen waren. Fugu ist zwar als Delikatesse bekannt, aber wegen seines tödlichen Gifts, das sorgfältig vom Fachmann beseitigt werden muss, auch gefürchtet. Er sagte, was er mit 1000 Yen (ca. 9 Euro) verkauft, wird von den Händlern in Tokyo mit 15000 Yen verkauft wird, um in den Nobel-Restaurants zu landen. Er sagte auch, ob er uns einige schenken könnte, was etwas unrealistisch für uns war. Ich sagte nebenbei, da bräuchten wir wohl die Lizenz zu kochen. Seine treuherzige Antwort war, wenn für den eigenen Bedarf, bräuchte man keine Lizenz! Nein, danke :-) !
Übrigens kam am zweiten Tag eine japanische Dozentin, die in Belgien verheiratet ist, mit ihrer Tochter, die in Paris studiert. Sie war auch wegen einer Familienangelegenheit in Japan, wie ich, und hat sie mit dieser Hilfsaktion kombiniert. Die beiden haben sehr fleißig gearbeitet.
Auch die Rückfahrt war sehr angenehm. Wir hatten schönes Wetter mit angenehmer Meeresbrise. Am Support-Center angekommen, hat uns einer mit einem Kleinbus zu Shichigahama gefahren, um die schwer getroffenen Küstengebiete zu besichtigen. Nach dem Duschen im Hotel sind N. Nagaoka und ich mit dem Zug nach Hause gefahren, weil wir beide am nächsten Tag viel zu tun hatten, während A. Koto und T. Mitsuhashi am nächsten Tag noch kurz weiter gearbeitet haben, um anschließend mit dem Auto zurückzufahren. A. Koto habe ich noch einmal in unserer Nähe getroffen, um zum Abschied gemeinsam zu essen. Es ist eine schöne Freundschaft unter uns Jesuitenschulern!
Nun sind meine Berichte aus Japan hiermit zu Ende gekommen. Jetzt sitze ich in einer Aeroflot-Maschine und fliege über der Baikalsee. Wenn ich diesen Bericht losschicke, bin ich wieder bei Euch zu Hause. Die Bilder folgen noch.
Vielen herzlichen Dank für Eure Unterstützung! Auch von R. Okano und T. Mitsuhashi soll ich Euch ihren herzlichen Dank und ihre Grüße vermitteln. T. Mitsuhashi hat trotz des Hüftleidens (Knochenschwund) tapfer gekämpft. Ryusuke möchte eines Tages selbst nach Deutschland kommen und Euch persönlich danken. Er arbeitet in der Woche 3 Nächte (Mo., Do. und So.) in zwei Bars und fährt zweimal (Mi. und Sa.) nach Soma. Man sollte dabei daran denken, dass er bei der Soma-Fahrt 24 Stunden-Dienst hat und auch in der „freien“ Zeit den Einkauf der mitzunehmenden Sachen erledigen muss. Er zahlt auch unterwegs das eigene Essen selbst, so dass seine finanzielle Lage neben der körperlichen Anstrengung an ihre Grenzen gekommen ist. Ich empfahl ihm, dass er das bescheidene eigene Essen ruhig von den Spendengeldern nehmen soll. Wer arbeitet, der hat das Recht zu essen. Denn im Gegensatz zu mir muss er das dauerhaft leisten. Seine Antwort ist, dass er aber denkt, mit diesem Geld könne er etwas mehr Keks für die Kinder in Soma kaufen!
Er will diese Aktion für ein ganzes Jahr bis zum 11. 03. 2012 fortsetzen. Die einzige Frage ist, ob das Spendengeld dafür reicht. Ja, Tohoku braucht dauerhafte Unterstützung, während die Kreditfähigkeit Japans an ihre Grenzen stößt. Eine erfreuliche Nachricht ist, dass die japanische Regierung endlich den Kurs ihrer Energiepolitik ändert und die erneuerbaren Energien zunehmend fördern will – weg von der Atomenergie!
Den Bruder von Ryusuke, den sanftmütig-starken Teppei, konnte ich leider nicht wiedersehen. Wir beide waren zu sehr beschäftigt. Er ist heute noch in Miyako.

Meine persönliche Bilanz ist, dass die Betroffenen zunehmend weniger Sachen und mehr Geld erhalten sollen, damit sie selbst ihre konkret-individuellen Bedürfnisse erfüllen und ihre eigene Wirtschaft ankurbeln können. Für diesen Zweck sind natürlich zuverlässige Bezugspersonen nötig. Und ich habe sie gefunden und in dieser Reise das bestätigt bekommen: (alphabetisch) Y. Aota und N. Kori in der Behinderten-Einrichtung von Minami-Soma, T. Mitsuhashi, der Miyako hilft und R. Okano, der Soma unterstützt. Die zukünftigen Spenden werden an diese drei gehen. Gott möge alle Opfer der Katastrophe in seine liebenden Arme nehmen, und alle Spenderinnen und Spender sowie alle Helferinnen und Helfer segnen! Der Hl. Irenäus sagte, der Sohn und der Hl. Geist seien die Hände Gottes, mit denen dieser die Welt erschaffen hat. Das sündige Ich würde dankbar und bescheiden hinzufügen, der Sohn und der Hl. Geist sind die Arme Gottes, mit denen dieser Vater uns liebevoll umarmt – trotz allem!
Noch einmal herzlichen Dank Euch und Ihnen allen!

Sonntag, 22. Mai 2011

Minami-Soma



Durch das Beben ist das Loch an der Decke groß geworden.

Überall her kommen die Ermutigungen.

Herr Aota und Frau Kori. Sie ist evangelische Christin.

das Eisenstück wie ein Streichholz



Solche Haufen werden später zentral gesammelt.




Kinderhort in Minami-Soma

Offiziell gibt es kein Betrieb hier (24.5 km vom AKW Fukushima I)

Das war noch in Soma.
Einkaufen und einladen am Vorabend

Soroku Osawa mit seinem Toyota Harrier. Er hat auch die Autobahngebühr übernommen.

Minami-Soma

Mi. 18. 05. 2011


Gestern (17. Mai) kam mein ehemaliger Klassenkamerad, Soroku Ozawa, extra aus Tokyo, um mir sein Auto zu bringen. Das Auto ist ein Toyota Harrier, Typ Wagon 2000 cc. Für mich gibt es 3 Neuigkeiten: es ist erstens automatisch wie fast alle japanischen Autos. Es ist ein sehr merkwürdiges Gefühl, den Motor anzulassen, ohne auf den Schaltpedal zu drücken. Man hat das Gefühl, dass das Auto dann sofort losfährt und der Motor abgewürgt wird, obwohl ich mit dem Auto von Tomokazu Mitsuhashi schon etwas Erfahrung gesammelt habe. Zweitens sitzt der Lenker auf der rechten Seite, und er muss links fahren. Auch diese Erfahrung habe ich schon etwas. Drittens ist das Auto von Soroku Ozawa viel breiter als die übrigen. Irreführend ist dabei, dass es links vorne einen kleinen Rückspiegel gibt, um den Boden und das linke Rückrad zu sehen. Am Anfang dachte ich spontan, dass dieser Spiegel den äußersten Rand markiert. Fatalerweise ist aber der eigentliche große Seitenrückspiegel etwa 15cm mehr draußen. Wenn man also nach dem vorderen kleinen Rückspiegel orientiert, hat man noch nicht alles ausgewichen, zumal die japanischen Straßen sehr eng sind und man beim Vorbeifahren mit den entgegenkommenden Autos sehr dicht an den Rand ausweichen muss. Das Fazit ist, dass ich bei der ersten Fahrt – ich wollte den guten Ozawa zum Bahnhof bringen und gleichzeitig ihm die Angst davon nehmen, mir sein Auto ausgeliehen zu haben – an der Rückseite des gesagten großen Seitenrückspiegels einen Kratzer gemacht habe. Zum Glück ist er nicht der erste und der einzige, weil es schon 10 Jahre auf den Straßen ist. Aber der Effekt ist fatal. Er war bestimmt entsetzt, auch wenn er das nicht so zeigte. Ich meinerseits verlor das Vertrauen auf mein Gefühl zum Abstand, das ich von den Budo-Übungen her immer noch zu haben glaubte. Jetzt weiß ich, dass die Hauptursache davon daher rührt, dass ich den kleinen und den großen Spiegel für gleich-außen gehalten hatte.

Mittlerweile bin ich schon gestern einkaufen gefahren und auch heute in Minami-Soma gut angekommen. Am einfachsten ist natürlich auf der Autobahn. Ich fahre höchstens 130 km/h, aber meistens darunter. Denn erlaubt ist offiziell – wie gesagt – nur 100 km/h, auch wenn manche sogar 140 fahren. Ich sollte mich aber davor hüten, von der Polizei kontrolliert zu werden mit meinem trügerischen „internationalen“ Führerschein. Die Autobahnen sind übrigens an vielen Stellen schwarz mit Teer gefleckt. Dafür sind die Straßen aber schon wesentlich glatter geworden.

Vorhin war ich kurz in Soma - ohnehin muss man einmal bis Soma „hoch“ fahren, um die gesperrten südlichen Gebiete auszuweichen – und habe an einem Kindergarten Säfte und Kekse abgeladen, sowie für die Betreuerinnen die Anti-UV-Strahlen-Milch mit einem kosmetischen Touch geliefert. Übrigens habe ich von Kamakura aus für die Damen in Miyako Kosmetika und BHs schicken lassen, weil sie sich das wünschten. Ihr seht, was ich noch in meinen alten Tagen alles tue :-) Für diesen Zweck habe ich allerdings meine alte Kirchenkameradin Hiroko Sudo eingespannt, die mich damals beim Tischtennis-Spiel immer geschlagen hat. Übrigens war sie als Schülerin eine hochtalentierte Schwimmerin und Springerin. Sie wurde als ein großes Talent entdeckt. Als Ihr Trainger von ihr aber erwartete, dass sie täglich 100 Male vom 10-Meter-Brett runterspringen sollte, hat sie dem Angebot den Rücken gekehrt. Nun, ich habe zum ersten Mal erfahren, welche verschiedenen BHs und welche Foundations, Lippenstifte und Eyeshadows gibt. Die Vielfalt in der Kosmetik-Abteilung des Großhandels hat mich zum Staunen gebracht. Was alles die Damen für ihre Schönheit tun! Die Händler in dieser Branche können bestimmt gutes Geschäft machen.

Übrigens hat die Hort-Chefin selbst ihr Haus verloren und wohnt nun bei ihren Verwandten. Sie sagt aber, dass es keine Zeit gibt darüber nachzudenken und zu trauern, denn die Kinder haben z.T. Schlimmes erfahren und brauchen guten Beistand.

Es ist in diesem Hort schon eine Prozedur, dass die Betreuerinnen mit den Kindern die Hilfstransporter begrüßen mit einer papiernen Medaille, die die Betreuerinnen selber gemacht haben. Danach wird zusammen fotographiert. Die Kinder sind ganz ganz süß und schon für diese Begrüßung allein lohnt es sich dorthin zu kommen, aber ich hoffe, dass es für die Kinder nicht zu viel wird mit der Zeit.


Dass ich jetzt so ausführlich schreibe, kommt daher, dass ich wieder keine Internet-Verbindung und im Hotel sonst praktisch nichts zu tun habe. Mein pocket wifi versagt und verlangt von mir das Kennwort, das ich ihm natürlich gebe aber nichts nützt. Im Hotelzimmer ist eine Internet-Büchse, aber es gibt keine passende Kabel. Diese technischen Bremsen machen mir schwer zu schaffen. Eigentlich hätte ich Euch insgesamt viel schneller Informationen geschickt. Außerdem hätte ich viel mehr das Eigentliche machen können.


Ich bin direkt zum Hotel gefahren, so dass ich noch nicht das Meer und die Küstengebiete gesehen habe. Vielleicht mache ich das wieder morgen früh beim Spaziergang. Der Weg von Soma bis hierher nach Minami-Soma sieht ganz normal aus. Auch der Straßenbetrieb scheint alltäglich wie sonst zu sein.


So erzähle ich etwas, das ich in den letzten Tagen im hiesigen Fernsehen erfahren habe. Denn fast täglich verfolge ich die Nachrichten, damit ich die Lage gut im Kopf habe und gegebenenfalls ihr entsprechend handeln kann. Wenn 30,000 Legehühner massenweise sterben, weil es nichts mehr zu fressen gab, dann ist das für manche Ohren vielleicht nur eine neutrale große Zahl. Ich bin zwar sicher nicht für die Legebatterie, aber wenn man hört, dass der Besitzer 1950 mit 50 Hühnern angefangen hat und sein Geschäft groß gezogen hat, dann versteht man seine Trauer. Wenn es aber um ein Dutzend Milch-Kühe handelt, die ein Bauer wie eigene Kinder aufgezogen und um sie gekümmert hat, dann ist unser Mitgefühl noch größer. In meinem Leben habe ich noch nie um die Kühe geweint. Wenn du aber siehst, dass sie in der Evakuierungszone absichtlich nur wenig Nahrung bekommen, damit sie nicht so viel Milch produzieren, und deswegen ganz mager werden, dass die Knochen so hochstehen, wächst unsere Trauer. Wenn du aber siehst, dass dieser Bauer sich schweren Herzens entschließt, den Hof aufzugeben und seine geliebten Kühe schlachten zu lassen, und dass diese eine nach der anderen in einen großen Lastwagen der Schlächterei geschleppt werden, während sie sich mit letzter Kraft dagegen stemmen, dann ist in mir Holland in Not. Es gibt in dieser Welt wahrlich viel Not und Leid. Warum müssen wir etwas noch dazuzufügen? Gedankenlosigkeit? Manchmal schon, aber manchmal ist sie unverzeihlich.

Nun kam die Nachricht, dass ein 21-jähriger Ehemann das Baby von ihm und seiner 34-jährigen Frau zu Tode gequält hat. Das Baby ist gerade 3 Monate alt geworden. Man sagt, seine Tat rühre von der Eifersucht her. Er hätte seiner Frau gesagt, „Welcher ist für Dich wichtiger, das Baby oder ich?!“. Er hat sogar das kleine Arm des Babys am Ellbogen gebrochen. Ich versuche immer, auch über die schlimmsten Taten auf den Hintergrund des Täters hin zu fragen. Es gibt aber Dinge, die einfach nicht sein dürfen. Dürfen die AKWs sein, mit so viel Risiko für die Menschen, die Tiere und die Natur? Die Gedankenlosigkeit? Ja, durch die Gedankenlosigkeit der Massen hat man auch 6 Millionen Juden hingeschlachtet. Haben wir überhaupt die Chance, uns dauerhaft zu bekehren, und nicht nur für 3 Monate nach einer Katastrophe, wenn überhaupt? Der göttliche Urgrund unseres Daseins erbarme sich unser!

Do. 19. 05. 2011


Der Hotel-Betrieb scheint gänzlich wiederhergestellt zu sein. Heute morgen gab es einen typisch japanischen Frühstück mit dem getrockneten Seetang (Nori), gegorene Soja-Bohnen (Natto), dem Ei, gebratenen Lachsfilet, Reis, Miso-Suppe und andere Kleinigkeiten. Dazu den grünen Tee und Kaffee.

Zuerst fahre ich zum Seiai-Kinderhort, eine evangelische Einrichtung. Er ist etwa 24-25 km vom demollierten AKW „Fukushima 1“ entfernt. Logischerweise ist sie offziell geschlossen. Es gibt aber nicht wenige Leute, die zurückkommen, weil sie das Leben im Flüchtlingslager nicht länger ertragen. Wenn die Eltern dann arbeiten oder einkaufen gehen, können sie ihre Kinder im Hort lassen. Das ist ein freiwilliger Service der Betreuerinnen. Für diesen Fall brauchen sie auch etwas zum Essen und Trinken. Diese Sachen habe ich Frau Endo gegeben, die Leiterin dieses Hortes ist. Sie weiß nicht, ob der Kinderhort bestehen bleiben kann. Denn viele Familien mit Kindern wollen nicht in diese gefährliche Zone zurückkommen, solange die AKWs das Problem nicht gelöst haben.

Ihr Wunsch ist ein Geiger-Zähler, damit sie für die Sicherheit der Kinder sorgen können. Denn die Messungen, die vom Stadtbeamten durchgeführt werden, sind nicht sehr häufig. Und in Japan kann man keinen mehr kaufen. Es wäre gut, wenn die Deutschen, die sicher nicht in einer akuten Gefahr stehen, sich beherrschen und nicht so viele Geiger-Zähler kaufen würden. Dann gehen sie dahin, wo sie wirklich akut gebraucht werden. Meine Frau hat schon berichtet, dass man sich auf eine lange Wartezeit einstellen muss, wenn man einen neuen kaufen möchte. Auch ein Gebrauchter ist schon doppelt so teuer geworden, weil es so viel Bedarf unter den Deutschen gibt. Es ist schon ärgerlich, wenn man mit über 600 Euro einen Gebrauchten kauft, und er nach kurzer Zeit defekt hat.

Anschließend war ich am Meer, an der Grenze zur 20-km-Verbotszone. Mehrere Soldaten überwachten die Straßen. Die Küstengebiete sind wie auch in anderen Orten völlig zerstört. Nach der Foto- und Film-Dokumentation fuhr ich zu einem Behindertenwerk, das Frau Endo vermittelt hat. An sich hätte ich auch zum Zentrum für die freiwilligen Helfer/-innen gehen können. Aber die amtliche Handlung der Anmeldung usw. nimmt zu viel Zeit. Außerdem muss man schon um 16 Uhr Schluss machen. Ich neigte von vorne herein, jemanden direkt zu fragen. Es gibt sehr viele Leute, die Hilfe brauchen, aber nicht bekommen. Es ist etwas schwach, wenn man weit entfernt wohnt und nicht zum Helfen kommt, weil der offizielle Weg nicht geöffnet wird. In solchem Notfall muss man erst bei den Betroffenen sein. Dann öffnet sich der Weg zum Helfenkönnen. Ich finde es prima, wenn das Behörde ein offizielles Angebot macht. Aber wenn man nur darauf wartet, dass es gemacht wird, dann lässt man viele Menschen in Not im Stich.

Nun kam ich zum Behindertenwerk und sollte nachmittags eine Arbeit bekommen. Da ich bis dahin anderthalb Stunden hatte, fuhr ich wieder in die Küstengegend und aß mitten in den kaputten Häusern mein Mittagessen, das ich in einem wiedergeöffneten Supermarkt mit etwa 4 Euro gekauft habe. (Übrigens zahle ich mein Essen bis auf das letzte Cent selbst, damit die Spendengelder gut bei den Betroffenen ankommen.) Ja, ich aß seelenruhig mitten in dieser Misere und bin überzeugt von meinem Tun. Denn ich muss arbeiten für die Betroffenen. Wenn die Helfer vor lauter Mitleid nicht essen und eingehen, nützt das niemandem. Die Helfer müssen starkt sein, ja brutal stark sein. In meinem Herzen denke ich aber an die Menschen, die hier ihre geliebten Menschen verloren haben. Ja, ich denke an ihre große Trauer. Gerade deswegen muss ich stark sein und darf nicht vom Gefühl der Trauer verschlungen werden. Stattdessen verschlinge ich mein Mittagessen mitten in dieser Vernichtung!

Fr. 20. 05. 2011


nun schreibe ich die Fortsetzung von gestern. Leider ist die Internetverbindung immer noch nicht wiederhergestellt. Nun glaube ich, dass dieses Macbook Air heikel ist, denn mein iPhone schafft die Verbindung zum pocket wifi mittlerweile.

Nach dem Mittagessen fuhr ich zum „Peanuts“ (so heißt die Einrichtung für die geistig Behinderten. Die privaten Betreiber haben noch 2 weitere Einrichtungen, und diese haben die Namen der Bohnen.) zu Frau Kori, die Frau Endo des Kinderhorts telefonisch für mich angefragt hat. Die beiden Damen sind gut befreundet und arbeiten zusammen. Das Haus Peanuts war nicht direkt vom Tsunami betroffen. Die Welle mit der vernichtenden Energie kam bis etwa 1.5 km landeinwärts, auch wenn das Wasser weiter hineinkam. Das Haus „Peanuts“ liegt aber etwa 2.5 km vom Meer entfernt.


So. 22. 05. 2011


Gestern bin ich heil aus Minami-Soma zurückgekehrt. Mein ehemaliger Schulkamerad Soroku Osawa ist mit dem Zug extra aus Tokyo nach Kamakura gekommen, um sein (heilgebliebenes) Auto abzuholen.

Anschließend bin ich von den 16 ehemaligen Schul-Kameraden des Tennis-Klubs zu ihrem Jahrestreffen eingeladen worden. Nicht nur, dass ich umsonst Feines essen und trinken durfte, sondern sie haben auch die Spendengelder gesammelt, obwohl einige von ihnen schon reichlich gespendet hatten. Insgesamt kam fast 1200 Euro zusammen.


Die Einrichtung in Minami-Soma darf eigentlich nicht geöffnet sein. Innerhalb von 20 bis 30 km vom havarierten AKW entfernt müssen alle älteren Menschen, Kinder und Behinderten das Gebiet verlassen. Denn sie können nicht bei einem Notfall schnell das Gebiet verlassen. Einige konnten es aber am Anfang unmöglich verlassen, weil es kein Benzin gab oder weil es keinen entsprechenden Ort für sie außerhalb. So hat die Präfektur akzeptiert, dass die Einrichtung weiter betrieben wird. Nur müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass der Umzug notfalls zügig vorangetrieben wird. Ich habe mich mit einer zuständigen Dame und den 2 Freiwilligen bei dieser Vorbereitung geholfen. Diese bestand darin, dass ein Lager geräumt wurde. Ein Teil wurde zu einer Müllsammelstelle und ein anderer Teil zu einem anderen Lager außerhalb der 30 km Zone wegtransportiert. Nach zwei Tagen war das Lager noch lange nicht fertig geräumt, aber schwerere Arbeiten wurden schon getan.

Es stellte sich heraus, dass die Verantwortlichen dieser Einrichtung, Herr Aota und Frau Kori, über die eigentliche Aufgabe hinaus - der akuten Situation entsprechend – sehr Wichtiges leisten. Die Zeit ist nämlich schon vorbei, dass man die allgemeinen Güter nach dem eigenen Ermessen zum Katastrophengebiet schickt. Im Prinzip gibt es Waren in den wiedergeöffneten Supermärkten. Es gibt aber Menschen, die sie nicht kaufen können, weil sie kein Geld haben. Prinzipiell können sie zu den behördlichen Stellen gehen und um die Waren bitten. Aber manche schämen sich wiederholt dorthin zu gehen. Herr Aota und Frau Kori kennen diese Menschen persönlich, und für diese Menschen ist die Schwelle dieser Wohltätigkeitseinrichtung bei weitem nicht so hoch wie der behördlichen Stelle. So können sie das Nötige selbst anschaffen und den Leuten zwangslos anbieten. Die Leute wiederum bieten an, für die Einrichtung etwas zu tun, weil sie nicht nur empfangen wollen. Ich habe Frau Kori empfohlen, diese Bitte der Menschen zuzulassen, damit sie auch ihre eigenen Werte empfinden können.

Jedenfalls habe ich mich entschlossen, ab jetzt diese Einrichtung hauptsächlich zu helfen. Nachdem ich meine Aktivität hier beendet habe, werde ich die Spendengelder, die mir zur Verfügung stand und noch steht ihr zukommen lassen. Denn Minami-Soma hat vierfaches Leiden: Erdbeben, Tsunami, AKW-Gefahr und Gerüchteschäden (Obwohl die Radioaktivität im Vergleich zu näheren Gebieten relativ niedrig ist, ist die Stadt als Gefahrzone gebrandmarkt, so dass die Hilfstransporter nur zögerlich hineinkommen und die Waren der Stadt vermieden werden). Ryusuke Okano und Tomokazu Mitsuhashi sollen wie bis jetzt je 1/3 erhalten.


Diesmal fühlte ich mich vollends bestätigt, dass es sehr wichtig ist Mut zu haben, zu den leidenden Menschen zu gehen. Wenn man darauf wartet, dass das Behörde für dich den Weg zur Hilfsaktion ebnet, lässt man viele Menschen im Stich, auch wenn der behördliche Weg natürlich auch wichtig ist.

Auch diesmal fühlte ich die große Solidarität unter den Japanern. Meine Mitstreiter/-innen kamen diesmal aus Kyushu (die südlichste von den großen 4 Inseln), aus der Chiba-Präfektur und der Yamagata-Präfektur. Einer erzählte mir, dass er im Zug eine ältere Japanerin traf, die extra aus den USA kam. Es sind tolle Begegnungen, in denen ich auch Deutschland miteinbeziehen kann. Denn die Leute interessieren sich für Deutschland und fragen mich darüber.

Morgen fahre ich zur letzten Mission nach Shiogama (nordöstlich von Sendai) zusammen mit meinen ehemaligen Klassenkameraden Akira Koto und Tomokazu Mitsuhashi, der einen jungen Mann mitbringt.

In dieser Gelegenheit danke ich auch den anonymen Spendern/-innen sehr herzlich. Gott wird ihre guten Taten schauen und ich bete für sie genauso wie für die mir namentlich Bekannten.

Diesmal veröffentliche ich diese Zeilen ohne meinen jüngsten Sohn um die Korrektur zu bitten, weil ich später keine Zeit mehr haben werde.


Herzliche Grüße an Euch alle Michael Daishiro Nakajima